Samstag, 2. Oktober 2010

Gotteserkenntnis



Das bewußte Hier ist ein Nebeneinander vieler Sinneseindrücke, die da und weg sind. Das bewußte Jetzt ist ein Nacheinander vieler zugleich und vorbeigehender Sinnlichkeiten. Als bewußtes Dieses sind die Sinneseindrücke durcheinander zugleich und vorüberziehend. Wir müssen daher das Hier, Jetzt und Dieses aufzeigen, aber das was Wahr sein soll ist bereits Gewesen, und zeigt man auf das Gewesene, so ist dies das Unwahre. Das aufgezeigte ist somit ein einfaches zusammen Vieler – ein breites Hier, ein langes Jetzt und vieles Dieses. Das Bewußtsein ist ebenso als ein Mannigfaltiges bestimmt.
 Dies Sinnliche kann nun so wie es sich darstellt als Wahr genommen werden. Das sinnliche Sein scheint als Ding in sich, begründet Existenzen wie dingliche Existenzen begründet werden. Das Wesen als Ding soll daher die eine wahre Materie des sinnlichen Sein – der Eigenschaften – sein, jedoch sind die verschiedenen in sich scheinenden Eigenschaften selbstständige Materien, welche nur durch das Ding, ihrer Einsheit, ihre Existenz haben.
 Das Bewußtsein als Verstand erkennt im stetigen Wechsel von Dingheit und Eigenschaften eine Kraft wirken, welche sich als Ding äußert und innere Kraft ist. Man kann zwar zunächst nur die sich äußernde Kraft annehmen, aber ihre Äußerung impliziert das Vorhandensein einer inneren Kraft. So wäre demnach die innere Kraft die Energie und die Äußerung die physikalische Arbeit. Die derzeitigen Astronomen erkennen zum Beispiel in der Rotation der Galaxien eine Schwerkraft der dunklen Materie und in der Ausbreitung und Entfernung der Galaxien die Wirkung einer dunklen Energie. Diese Kraft ist also eine Zutat des Verstandes, und in der Bewegung und Erscheinung der Dinge und sinnlichen Eigenschaften hebt sich das Spiel der Kräfte, als innere Kraft und ihrer Äußerung, gegenseitig auf, und der Verstand schaut so auf das wahre innere des Gegenstandes, welcher nicht in seiner Erscheinung wechselt, sondern seine ganze Ruhe ausmacht – das Gesetz der Erscheinung. Das Gesetz ist die Unterscheidung zweier verschiedener Sachen – wie zum Beispiel Raum und Zeit – die allerdings als Gesetz nicht verschiedene sind, sondern das Selbe sind. Die Wahrheit der Gegenstände ist daher das Gesetz, der Gegenstand, der im Wechsel der Erscheinungen mit sich identisch bleibt. Da aber auch das Bewußtsein im Wechsel der Perzeptionen sich selbst begreift, ist das Gesetz des Bewußtseins dieses, im Bewußtsein eines Gegenstandes stets auch sich selbst bewußt zu sein. So schaut nun das Innere des Bewußtseins auf das Innere des Gegenstandes – der angebliche Vorhang vor dem Ding an sich verschwindet, und man ist nun Mittendrin statt nur dabei.
 Ich bin ich, sagt das Selbstbewußtsein, doch ist dieses Urteil nichtssagend und macht nur bewußt, daß wenn ich mich in mir unterscheide, also als Objekt betrachte, dieses Unterschiedene ununterschieden mit sich identisch ist.
 In dem sich also das Selbstbewußtsein Objektivität verleiht ist es Begierde. Ich schaue und lasse mich über einen Gegenstand anschauen, wenn möglich als besten schnellsten und größten Gegenstand, und zuvörderst als den teuersten. Jedoch ist diese Begierde zerstörend und sie verzehrt auch zugleich das hierdurch hergestellte Selbstgefühl, worauf sich in der Befriedigung auch wieder die Begierde neu erzeugt.
 Ein angemessener Gegenstand zur Objektivierung des Selbstbewußtseins ist daher kein totes Objekt, sondern ein anderes Selbstbewußtsein, denn nur darin kann das Selbst sich wahrhaft erkennen. Da sich nun die beiden Selbstbewußtseine gegenseitig zur Anerkennung ihres Selbstbewußtseins zwingen, entbrennt zwischen ihnen ein Kampf auf Leben und Tod, aber da im Tode auch die Freiheit des Selbstes aufhört, so wird sich der schwächere Unterwerfen und das stärkere Selbstbewußtsein als Herrn anerkennen. Der Knecht, welcher sich nicht vor dem Herrn, sondern vor dem Tode fürchtete, arbeitet sich im Dienste des Herrn seine Begierde ab und objektiviert sein Selbstbewußtsein in der Arbeit. Beide haben nun ein gemeinsames Bedürfnis, aber der Herr muß um die Erhaltung des Knechtes bemüht sein, da er von seinem Knecht vollkommen abhängig ist. Weil er dem Knecht aber auch den Eigenwillen brach, kann er sich im Knechte nicht frei anerkannt wissen, und zwar gleichgültig was der Knecht zur Besänftigung des Herrn auf Befehl loslabert.
 Die Wahrheit des allgemeinen Selbstbewußtseins ist daher, daß sich das Selbstbewußtsein nur durch ein anderes Selbstbewußtsein anerkennt und frei weiß, in dem es das andere Selbstbewußtsein anerkennt und frei weiß.
Das Wissen um das Nichtssein des Selbstes ist das Unglück des Bewußtseins, das getrennt von aller Gegenständlichkeit und Sein nur sich selbst erfährt. Doch darin liegt sogleich auch das Wissen, daß das Ich nicht Nichts sein kann, was hierin die Wahrheit des Geistes als Vernunft offenbart.
 Gesetz und Selbst ist von gleicher Substanz – daher kein Fremdes, sondern das Ureigene des Geistes. Vormals erkannte sich das Selbstbewußtsein in jedem Gegenstande, aber als Vernunft wird jeder Gegenstand als Selbstbewußtsein erkannt. Selbst und Sein, Ich und Gegenstand, Subjekt und Objekt ist ein und dasselbe Wesen. Ich ist die unendliche Allgemeinheit des Bewußtseins, daher nicht Nichts, sondern alles Sein. „Die Vernunft ist die Gewißheit des Bewußtseins, alle Realität zu sein; so spricht der Idealismus ihren Begriff aus. Wie das Bewußtsein, das als Vernunft auftritt, unmittelbar jene Gewißheit an sich hat, so spricht auch der Idealismus sie unmittelbar aus: Ich bin Ich, in dem Sinne, daß Ich, welches mir Gegenstand ist, nicht wie im Selbstbewußtsein überhaupt, noch auch wie im freien Selbstbewußtsein, dort nur leerer Gegenstand überhaupt, hier nur Gegenstand, der sich von den anderen zurückzieht, welche neben ihm noch gelten, sondern Gegenstand mit dem Bewußtsein des Nichtseins irgendeines anderen, einziger Gegenstand, alle Realität und Gegenwart ist. Das Selbstbewußtsein ist aber nicht nur für sich, sondern auch an sich alle Realität erst dadurch, daß es diese Realität wird oder vielmehr sich als solche erweist.“ [Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Phänomenologie des Geistes].
 Als Liebende und Anerkennende, sind die Einzelmenschen wesentlich zum Volk geworden. Die Kultur des Volkes leitet sich vom gegenwärtigen Stand auf der Stufenleiter der Vernunft ab, welche für sich genommen ein Erkennen Gottes ist, denn die Kultur überhaupt ist stets praktizierter Gottesdienst, und es ist nun das Ziel der Völker ihre Kulturgebote zu Gesetzen zu erheben, und als Staat zum Selbstbewußten Volk zu werden. Die Weltgeschichte ist an sich ein Kampf um Staatlichkeit – daher Freiheit und Souveränität der Völker, aber für sich der Gang Gottes zu sich selbst. Es wird daher bewußt das die Wahrheit der verschiedenen Einzelmenschen ihre allgemeine völkische Substanz ist, die Wahrheit und Allgemeinheit der Völker aber Gott ist, der sich in sich selbst Unterscheidet und darin Ununterschieden ist. Als unterschiedenes Identisches erkennt Gott als Volk sich selbst in den anderen Völkern, in dem sich die Völker als freie Nationalstaaten so gemäß anerkennen, wie die anderen Völker ihrerseits die Völker als frei und Souverän anerkennen. Die Herrschaft und Knechtschaft ist auf weltgeschichtlicher Ebene das Verhältnis zwischen chauvinistischen Imperialstaat zu einen multikulturellen Vielvölkertum, dessen Gegensätze durch den nationalistischen Nationalstaat aufgehoben sind.
Gott ist das Ganze und Einzige, daher ist auch das Böse und Beherrschende nicht getrennt von Gott, sondern dessen Moment. Das Böse ist bloß darum böse, weil es sich getrennt und besondert vom Allgemeinen meint, aber darum dennoch nicht ist. Gott als Geist vernichtet sich durch die böse Tat selbst, und aufersteht in der Versöhnung und Aufhebung des erkannten und begriffenen Gegensatzes der Menschen untereinander.
 Bei Hegel ist die Idee als höchster Gedanke, der sich selbst anschauende und denkender Begriff. Als Ich des Menschen vergegenständlicht sich das Ich sich gegenüber und schaut sich darin selbst an – Selbstbewußtsein. Dies ist jedoch nur so zu verstehen, das im Bewußtsein seiner selbst, Ich sich von Ich, also von sich, unterscheidet, und in dieser Unterschiedenheit sogleich weiß, daß dies Unterschiedene nicht getrennt, sondern absolut Identisch mit sich ist. Das die Wahrheit sich immer in einen, für den Verstand kaum zu fassenden, Widerspruch bewegt, zieht sich durch alle Themen der hegelschen Lehre. Das Ich der Welt, oder des Seins, ist Gott, welcher ebenso sich stets aufs Neue von sich selbst unterscheiden muß um sich als Identisch mit sich selbst bewußt zu werden. Gott als reiner Gedanke stellt sich als Naturleben gegenüber, wodurch er sich in Wahrheit als Geist erweist. Gott erscheint hierbei in Gestalt des menschlichen Geistes, und der Mensch ist als Gottes Gehilfe zwar als allgemeine Natur Gott, jedoch als Einzelmensch ein besonderes Dasein dessen.
Die alten Religionen, sei es Naturreligion, Judentum oder Katholizismus gingen bisher von einen vollkommenen  Schöpfergott aus, der planvoll gestaltend die Welt und den Menschen erschafft, und fragen daher zu Recht, warum dieser allmächtige Gott nichts gegen Leid und Not in der Welt unternimmt, warum er das Übel zuläßt und nicht verhindert. Man könnte nun antworten, es sei Strafe wegen Ungehorsam, aber dann sind Gott offenkundig während der Schöpfungsarbeit Fehler unterlaufen, was einem allmächtigen und vollkommenen Gotte aber schlecht zu Gesicht stünde. Versteht man aber im hegelschen Sinne die Welt und Gott als Sein und Erscheinung des einzig wahren Begriffe „Gott“, dann erweist sich die Weltgeschichte vielmehr als Erkenntnisprozeß im Fortschritt der Selbsterkenntnis Gottes, in dem Mensch und Natur nicht mehr getrennt von Gott gedacht werden kann, sondern sein Werkzeug und konkretes Erscheinungsbild darstellt. Die Völker sind hierbei die Gedanken Gottes, da die verschiedenen Kulturen verschiedene Anschauungen Gottes sind, daher Gott durch die Völker verschiedene Selbsterkenntnisse über sich selbst begreift.
Kant untersuchte das Erkenntnisvermögen und kam zum Schluß, daß das Ansich der Dinge, das Ding an sich, nie in Wahrheit erkannt  könne. Da aber eine Untersuchung des Verstandes nicht ohne den Verstand selbst auskommt, bewies Hegel, ist das Ich während des Erkennens bereits mittendrin im Ansich der Dinge, welche daher nicht Außerhalb des Selbstbewußtseins liegen, sondern stets Bewußt sind, sobald sich das Selbst auf diese bezieht.
Aus neurologischer Sicht ist auch ein Gehirn bloß eine Schaltfabrik aus Schaltmaschinen – den Nervenzellen, daher eine ebenso tote Natur wie Schaltmaschinen aus Transistoren. Die Neurologie wird daher nie im Gehirn mit Naturwissenschaftlichen Mitteln den Geist erforschen können, wenn man nicht annimmt, daß der Geist und Bewußtsein in allen Naturobjekten vorhanden ist. Das Licht und die Schallwellen werden ja sonst nie gesehen oder gehört, sondern sie schalten Nervenzellen in den Sinnesorganen (Sensoren) ein, und diese Schaltmaschinen schalten wiederum andere Nervenzellen bzw. Schaltmaschinen im Gehirn ein, um am Ende ein Organ, bzw. biologische Maschine zu steuern. Selbst wenn man annähme das ein Bewußtsein in diesem toten Naturprozeß existiere, ungeachtet dessen das es nicht Notwendig sei, so wäre alle scheinbare Realität im Gehirn produziert, und niemand könnte in diesen Gewirr von Verschaltungen die Welt da draußen erkennen und erleben.
Halten wir nun fest, daß die Völker Gestalten Gottes sind, und die Menschen als Gestalten der Völker erscheinen.
R
Sehen wir nun im Begriff des Chauvinismus, das hier sich ein Volk von anderen Völkern der Welt, seiner Allgemeinheit, besondert, und ihm alle Fremdvölker von geringeren Werte, daher gleichgültig sind. Das höherwertige Volk verlangt nun Anerkennung durch die von ihr als Minderwertig gesetzten Völker, aber da aber eine gesellschaftliche Minderwertigkeit in Form von Handlungskraftvermieter oder Ware (Sklave) keine freie Subjektivität und Handlungsfreiheit zuläßt, können diese das chauvinistische Volk nur unschwer anerkennen, nicht zuletzt deshalb, weil ein bedeutungsschwereres Volk nur bedeutungsschwerer sein kann, wenn es daneben die bedeutungsleichteren gibt. Der größte Herr ist von seinen Knechten am meisten abhängig!
L
Will man nun die gesellschaftliche Gleichheit aller Völker herstellen, so geschieht dies im Multikulturalismus durch die Negation der Völker selbst, worin sich alle Individuen nun von den Völkern besondern. Die Völker sind nun allesamt für diese egoistischen Einzelmenschen gleichgültig und austauschbar, was auswirkend auf die Mitmenschen, diese ebenso zu gleichgültigen Objekten herabstuft. Mit der Beendigung des Chauvinismus hat sich zunächst das hochwertige Volk, in seiner Besonderheit von Welt und Gott auch als Allgemeines – als Erscheinung Gottes begriffen, jedoch hier nur in seiner negativen Einheit von Allgemeinheit und Besonderheit. Die Einheit und Erkenntnis von Volk und Gott gelingt im Multikulturalismus daher nur durch die Trennung und Besonderung von Mensch und Volk. Der Individualistische Mensch hat nun das gleiche Problem wie das chauvinistische Volk, er kann sich im anderen nicht als freies Selbst ansehen und verkennt seine Einheit mit Volk und Gott. Aber darin liegt sogleich auch die Notwendigkeit einer Trennung, denn nur in dieser Loslösung und des Verlustes der zwischenmenschlichen Liebe in den Völkern, verlangt er von nun an zunehmend nach Rückbindung. Die individualistische Vereinzelung und Besonderung ist durchgehend unsittlich, begreift Primitiverweise den Freiheitsbegriff als Eigentumsanhäufung, oder etwas fortschrittlicher, als moralisierendes Gutmenschentum, welche nicht bemerken, das es vielerlei Moralvorstellungen, besonders in Multikulturalismen gibt.
N
Der Nationalismus begreift sich endlich als Einheit von besonderen Einzelmenschen und Volk als allgemeines Moment, den der Mensch ist das Dasein und Erscheinung seines Volkes, jeder Mensch ist sogleich das Volk, wie jedes Volk auch Gott ist. Die Stufen von Chauvinismus und Multikulturalismus sind aber notwendige Durchgangsmomente in der Selbsterkenntnis Gottes, der sich nun durch uns Menschen als wahrer Begriff in Einheit von Mensch und Volk begreift. Es ist nunmehr zur Gewißheit geworden, daß der Einzelmensch, welcher sich als vom Volk gelöste Besonderheit begreift, sich in seinen Andersein, als völkische Allgemeinheit anschaut, weiß, das dieser Unterschied von Mensch und Volk, bzw. Besonderheit und Allgemeinheit, mit sich identisch ist, und sich darin der Nationalismus als Wahrheit von Individuum und Volk offenbart.

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