Donnerstag, 7. Mai 2015

Der moderne Sikhismus

Da es zur Zeit in der Öffentlichkeit nur noch das Thema Islam zu geben scheint, soll unbedingt mal ein Abstecher in die Religion der Sikhs gemacht werden. Was den Sikhismus dem Islam grundlegend voraus hat, ist sein hochmoderner Gottesbegriff, welcher im Gegensatz zu einem separat und für sich seienden Allah, von einem immanenten und nicht von der Natur zu unterscheidenden Gott als Geist ausgeht. Gott ist bei den Sikh kein externer Herrscher, welcher von den Menschen Unterwerfung (Islam) fordert. Im Sikhismus ist die natürliche Welt wie in der deutschen Idealistischen Philosophie eine äußere Gestalt des göttlichen Geistes. Sowohl der Idealismus und Sikhismus versteht in der Natur und im Menschen eine äußere Erscheinungsform Gottes. Gott ist in allen Erscheinungen und ist selbst jene Erscheinung. Diese Natur ist bei den Sikhs nicht mit Tabus und Sünden belegt, sondern in ihrer Prozessabfolge so wie sie ist. Sie anerkennen diese, in dem sie ihre Haare natürlich wachsen lassen, und verstehen beide Geschlechter selbstverständlich als gleichwertig an. Auch scheint der Sikhismus vom Hegelschen Begriff der Begierde zu wissen - jenen Zustand, in welchen das leere Ich sich mit einen Gegenstand oder Attribut äußere Objektivität geben will - und darum sich im Begriff der Vernunft als alle Realität zu wissen beginnt. Alle Wissen sich als Vernünftige, auf Objektivierungen mit Gegenständen verzichten zu können, da ein jedes Objekt oder Attribut das wahre Sein des Geistes verfehlt. Das weiß das Christentum ebenso wie der Sikhismus. Sikhs verfallen hierbei nicht in Asketische Lebensweisen und einem Dasein in Armut. Man versteht das Menschen eben aus biologischen Gründen gewisser Güter bedürfen, und asketische Armutsübungen die Realität des Lebens verfehlen.  

Was im Christentum zum Begriff der Dreifaltigkeit mündete, griff Hegel auf, und machte dieses Prinzip zur Blaupause seines berühmten Systems. Die Unterschiedeinheit von Vater und Sohn, sowie deren gleichsame Identität, bilden die Vorstellung von Gott als einen Ununterschiedenen von Natur und Mensch. Die äußere Erscheinungsform Gottes als Natur und Mensch ist zwar ein Getrenntsein, worin sogleich auch deren vollkommene Identität als heiliger Geist zum Ausdruck kommt. Im Sikhismus kommt die Trinität Gottes als Einheit des Widerspruches von Immanenz und Transzendenz zum tragen - als die Unwandelbarkeit der wandelbaren Erscheinungen. Interessant ist auch die These der Sikhs, Gott als die Wahrheit zu definieren, da die deutsche Idealistische Philosophie Wahrheit als Identität von Subjekt und Objekt, bzw. Gedanke und Gegenstand definiert - daher als die “Idee”. Der innere Kern der Idee ist das Ich als Subjekt sich immer nur letztlich selbst als Objekt beobachtet, bzw. sich als Subjekt von sich als Objekt unterscheidet und vorraussetzt, aber in der Selbstbeobachtung zur Erkenntnis gelangt, daß diese Unterschiedenen vollkommen miteinander identisch sind.
Während der jüdische Jahwe und der islamische Allah für sich seiende Allmächtige sind und am Menschen sowie der Natur ihre Grenze haben, ist der Gott der Christen und Sikhs unendlich, und somit nicht am Menschen und der Natur endend. Alle vier Religionen sind sich über den geistigen Zustand Gottes einig, jedoch lebt Gott nur in der Vorstellung der Christen und Sikhs als unendlicher Geist.

Der Geist ist nicht Nichts sondern Alles, in Form als abstrakte Allgemeinheit.
Hierzu ist die Erkenntnis erforderlich, daß dem Geiste eben keine Gegenständlichkeit, wie im Glauben der Begierde sich zu Vergegenständlichen oder mit einen Attribut zu versehen, zu kommt.
Der Geist ist die unendliche Reflexion auf sich selbst - der menschliche Geist ist sich stets immer nur selbst anschauend, wie es auch dem göttliche Geist stets nur um Selbsterkenntnis geht. Gott ist ebenso nicht auf eine Person oder ein Wesen herabzustufen, wie auch das menschliche Ich nicht auf eine Hirnregion oder Nervenzelle zu beschränken ist. Darüber hinaus gehen Christentum und Sikhs von einer Sohnartigkeit Gottes in Gestalt des Menschen aus. Das Wissen und die Moral des Menschen, ist Zugleich das derzeitige Wissen und die Moral Gottes. Das Eine ist darin nicht ohne das Andere zu denken. Dagegen sind die vom Menschen getrennten Götter ,Allah und Jahwe, politische Herrscher, dessen weltliche Staatsoberhäupter nur als dessen Geschäftsführer agieren - denn in der asiatisch-orientalischen Gesellschaftsform ist aller Boden und Produktionsmittel Eigentum des Staates, und der Staat Eigentum einer Gottheit. Darin liegt übrigens der oft zu beobachtende Umstand geschuldet, daß asiatische Herrscher sich gleich als Gottheiten verehren lassen, und römische Kaiser diese Praxis kopierten.

Für den ägyptischen Pharao und den muslimischen Kalifen geht es stehts um die Freiheit ihres Gottes. Es liegt bereits der Allmacht ihres Supergottes begründet, daß man sich besser dessen Herrschaft zu beugen hat, da man nicht wie Germanen oder Sikhs weiß, daß die Menschen die äußere Erscheinungsform und somit dasselbe wie Gott sind. Die Freiheit der einzelnen Menschen erweist sich daher auch als Freiheit Gottes.

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